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Dies ist kein kommerzieller Internetauftritt, sondern ein privater Informations-Auftritt des OKV aktualisiert am 22.06.2011 21:11 |
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Winfried´s Seite:
Winfried H. Aderhold OKV-Ehrenpräsident
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Mischwesen, - wirklich neu ? Betrachtungen über Genmanipulationen von Winfried H. AderholdIch lese, dass unsere Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts die DNS, den Code des menschlichen Erbgutes, 10 Jahre nach dem Startschuss des größten medizinisch-biologischen Forschungsprojektes aller Zeiten, lange vor dem angepeilten Zeitpunkt, entschlüsselt haben. Bill Clinton sagte: „Dies ist ein großer Tag“, an welchem er, umgeben von den großen Symbolfiguren dieses Projektes, der Nation und der Welt diese Sensation verkündete. Und so wird wohl der 26. Juni 2000 in die Geschichtsbücher eingehen, als der Tag, an welchem die Menschheit ihr Buch des Lebens entziffert hat. Da steht in der Presse die nicht minder spektakuläre und zwiespältig aufgenommene Nachricht, wonach das englische Parlament beschlossen hat, Embryonen für weitere Forschungszwecke als Lieferanten für Stammzellen freizugeben. Weiter lese ich in verschiedenen Presse-Veröffentlichungen: „Forscher kreuzen Mensch mit Schwein“. In den Laboratorien zweier Gentechfirmen in den USA (Biotransplant) und Australien (Stem Cell Sciences) experimentieren Forscher an einer Kreuzung zwischen Schweinen und Menschen .(Zynisch gesehen hatte ich persönlich schon immer den Verdacht, wenn ich unsere gegenwärtige und ältere Geschichte betrachte, dass da eine Verwandtschaft bestehen müsse!!) Also zurück zu unserer hochheiligen Wissenschaft, die ja heute in unserer so modernen Zeit für viele Menschen die dominierende Stellung der Religion verdrängt hat. Die Gentechniker setzten bei ihren Experimenten Zellkerne menschlicher Föten auf Eizellen von Schweinen und ließen die daraus entstandenen Embryonen eine Woche lang wachsen. Vermutet wird, dass nicht ganze Zwitterwesen gezüchtet werden sollten, sondern nur Organe und Gewebe für Transplantationen. Die beiden Firmen haben bereits für ihre Kreuzung einen Antrag beim Europäischen Patentamt (EAP) München gestellt. Dieses winkte allerdings ab: „Einen Mensch-Schwein-Zwitter kann man aus ethischen Gründen nicht patentieren lassen“, erklärte der Sprecher dieses Amtes. Dann lese ich aber zu meinem Erstaunen, dass eben doch bei diesem Patentamt eine andere Patentanmeldung mehr Erfolg hatte. Das Patent (EP 380646 vom 20.01.1999) besagt, dass Stammzellen von menschlichen Embryonen einem Mäuse-Embryo eingepflanzt werden können, um menschliche Organe zu züchten. Damit ist ein Verfahren patentiert worden, bei dem Mischwesen aus Mensch und Tier geschaffen werden können. Mischwesen? Kennen wir das nicht schon seit hunderten von Jahren aus der Mythologie unserer Geschichte und Vorgeschichte? Darüber haben wir allwissenden und so gescheiten Menschen des 20. + 21. Jahrhunderts uns doch viele Hundert Jahre amüsiert. Wir haben doch gedacht: die haben gesponnen, kräftig phantasiert. Wir wussten es natürlich besser, - so etwas hat es nicht gegeben, konnte es auch gar nicht geben und wird es auch nicht geben, - basta. Wir sind die Krone der Schöpfung. Vor unserer Zeit waren alle Menschen rückständiger als wir heutigen modernen Menschen. Und jetzt das. Nun werden wir wieder mit Zwitterwesen, - Mischwesen konfrontiert. Diesmal konstruiert in den modernen frankensteinschen Laboratorien unseres Jahrhunderts. Aber gerade jetzt sollten wir uns an die alten, oft uralten Berichte, erinnern, die teilweise viele tausende Jahre vor unserer Zeitrechnung datieren und wo uns genau das, allerdings in viel größerer Perfektion, vor Augen geführt wird, wo wir gerade noch stümperhaft dran basteln. Nämlich Mischwesen zu erzeugen, - und das in allen möglichen Variationen. Werfen wir einen Blick zurück. Das uns allen bekannteste Mischwesen ist wohl die Sphinx. Dann kommen wir zum Minotauros (griechisch: Stier des Minos, lateinisch: Minotaurus), in der griechischen Mythologie ein Ungeheuer mit Stierkopf und Menschenleib. Er war der Sohn der Pasiphae, Königin von Kreta, und eines schneeweißen Stieres, den der Gott Poseidon ihrem Gemahl, König Minos, geschickt hatte. Ebenfalls aus der griechischen Mythologie kennen wir die Kentauren, auch Zentauren genannt, Mischwesen, von denen man glaubte, dass sie Bergregionen von Thessalien und Arkadien bewohnten. Sie hatten einen menschlichen Kopf und Oberkörper, aber den Unterkörper und die Beine eines Pferdes. Sie zeichneten sich durch ihre Wildheit und Gewalttätigkeit aus. Außerdem waren sie bekannt für ihre Trunksucht und Wollust und wurden oft als Begleiter von Dionysos, dem Gott des Weines, dargestellt. Aus Griechenland ist uns auch die Chimäre bekannt. Ein Ungeheuer mit dem Kopf eines Löwen, dem Leib einer Ziege und dem Schwanz eines Drachen. Aus dem alten Babylonien, Nachfahre der perfekten und großartigsten Urzivilisation die wir kennen, der Sumerer, deren Herkunft lt. gängiger Lehrmeinung im Dunkel der Vergangenheit liegt, kennen wir auch einige Beispiele. Laut Berossos, (bei Sitchin), brachte der Gott Belus („Herr“) verschiedene „hässliche Wesen mittels eines zweifachen Verfahrens“ hervor. Darunter einen Menschen mit zwei Köpfen, Zentauren, Pferde mit Hundekopf und Hunde mit Fischschwanz. Auf einem akkadischen (nordbabylonischen) Siegelzylinder sind ebenfalls zwei Wesen mit Menschenköpfen und Fischkörpern zu sehen. Besonders zu denken geben sollten uns allerdings die Gestalten, welche man auf dem schwarzen Obelisken von Salamasar II, dem assyrischen Herrscher, im Britischen Museum sehen In einem altassyrischen Keilschrifttext des Königs Assurnassirbal (930 – 905 v. Chr.) wird von einer fischschuppenhäutigen, beschwänzten, zweibeinigen Tiermenschenart berichtet. (Farkas/Krassa) Auch die nordamerikanischen Tsimschian-Indianer kennen in ihrem Schöpfungsmythos Tiermenschen. Ebenso in China kennt man Mischwesen aus frühester Zeit. Es ist der Gott Pan Gu. Am frühesten erwähnt wird diese Gottheit in einem Buch von Xu Zheng (in der Zeit von 220 – 265). Sie ist in verschiedenen Varianten überliefert und besagt, Pan Gu habe einen menschlichen Körper, jedoch mit einem Hundekopf, besessen. Hinweise hierauf erhalten wir auch aus dem tibetischen „Buch Dzyan“: „Sie bekämpften die Bockmenschen und die hundsköpfigen Menschen und die Menschen mit Fischkörpern.“ In verschiedenen Schöpfungslegenden rund um den Erdball und in den Überlieferungen der verschiedensten Kulturkreise finden sich die für uns bis vor „ein paar Tagen“ noch so unglaublich klingenden Hinweise auf Tiermenschen. Wer die Schöpfer dieser rund um den ganzen Globus auftretenden Mischwesen waren? Es sind in den alten, teilweise uralten Berichten, immer Götter, wer diese auch immer waren und wo sie auch immer herkamen. Und heute? Ja, heute sind es wieder unsere modernen „Götter“, unsere Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts, die uns, wenn man sie gewähren lässt, mit hundertprozentiger Sicherheit in absehbarer Zeit wieder Mischwesen bescheren. Geschichte wiederholt sich, auch wissenschaftliche, und was uns bis vor wenigen Jahren noch als ein der Phantasie sogenannter primitiver Kulturen entsprungenes Hirngespinst, als lächerlich und unmöglich erschien, rückt nun durch neueste wissenschaftliche Praktiken in den Bereich des absolut Realen. Der Mythos stellt sich als realer Tatsachenbericht heraus; zumindest in seiner Kernaussage, - in der Realität seines Kerns. Wir sollten mit mehr Respekt die alten und besonders die uralten Mythen beim Wort nehmen. Nun muss allerdings deutlich gesagt werden, dass nicht alles gut ist was auch machbar ist und unsere jüngere Geschichte zeigt uns, dass wir Menschen große Erfindungen, oder besser gesagt Neuentdeckungen, nicht immer zu unserem Nutzen verwenden. Im Gegenteil, wenn man die Atomspaltung betrachtet, die der Menschheit viel Gutes bringen könnte, aber heute leider durch die „Krone der Schöpfung“ als Damoklesschwert unseren kleinen zerbrechlichen Planeten bedroht. Dabei ist es eben nicht die Atomkraft selbst, sondern die Skrupel- und Verantwortungslosigkeit mit der mit ihr umgegangen wird. So kann, und vermutlich wird es auch so kommen, dass die Entschlüsselung des menschlichen und tierischen Genoms große Fortschritte für die Menschheit bringen könnte, aber der Mensch ethisch und moralisch dazu noch nicht reif genug sein wird. Leider werden wir die Entwicklung nicht aufhalten können. In der Genesis, 1. Mose 3,22, sprach Gott nach dem Sündenfall, als der Mensch die verbotene Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen hatte: „Ja, der Mensch ist jetzt wie einer von uns geworden, da er Gutes und Böses erkennt...“(Übersetz. Prof. Hamp/Stenzel/Kürzinger, Würzburg 1962) Hoffen wir, dass auch die Menschheit des 21. Jahrhunderts diesen Unterschied erkennt und sich für das „Gute“ entscheidet.
Winfried H. Aderhold
Neue Erkenntnisse der Verhaltensforschung zum besseren Verständnis unserer Tiere Von Winfried H. Aderhold Im Laufe der vielen Jahre, in denen ich Vögel halte und züchte, ist mir immer mehr zum Bewusstsein gekommen, dass unsere Tiere in ihrem tiefsten Wesen von uns nicht richtig erkannt werden. Unsere gescheiten Wissenschaftler, Zoologen und Ornithologen, erzählten uns seit vielen Jahren immer wieder, dass die Verhaltensweisen der Tiere instinktiv, also nicht verstandesgemäß gesteuert würden, sondern angeborene automatische Reflexionen seien. Natürlich gibt es Automatismen in der Verhaltensweise. Ohne diese könnte kein Wesen aus Fleisch und Blut leben oder gar überleben. Die moderne Verhaltensforschung tut sich zwar immer noch schwer, wie beispielsweise mit der Entzifferung und der Zuordnung animalischer Äußerungen, hat aber in neuerer Zeit langsam erkannt, dass mehr dahinter steckt als bisher postuliert wurde. Sie ist bereits weit darüber hinaus vorgedrungen, im Gesang der Vögel, den Lautäußerungen anderer Tiere, mehr als nur profanes Gezwitscher, Angstrufe und Ähnliches herauszuhören. Es ist aber immer noch ernüchternd für uns Menschen, welch kümmerliche Details unser Ohr aus den Lautäußerungen der Tiere herauszuhören vermag. Die Frage stellt sich auch, ob die Tiere das, was sie in ihrem Verhalten seit Jahrmillionen an Überlebenskunst angereichert haben, wirklich nur durch Sprachäußerungen mitteilen können. Ist die Demonstration durch Taten nicht viel überzeugender? Seit Darwin und seiner Evolutionstheorie ging man davon aus, dass die Selektionskräfte beim Vorantreiben der Entwicklung nur beim Einzelwesen wirksam werden. Das war die Basis und der Auslöser für den Tanz ums „Goldene Kalb“, des rücksichtslosen Kampfes des sogenannten Stärkeren zur Vernichtung aller Schwächeren. Sie wurde zur Lebensmaxime auch für uns Menschen in Politik und Wirtschaft und ist es leider bis heute noch. Nun aber postulieren Verhaltensforscher, dass Auslesekräfte nicht nur beim Individuum ansetzen, sondern auch bei Tiergemeinschaften. Sie sprechen hier von Gruppenselektion. (Anmerkung am Rande: Inwieweit der Darwinismus überhaupt als allein seligmachende Erklärung für die Entstehung des Lebens auf dieser Erde seine Berechtigung hat, wird im Laufe der letzten Jahre immer häufiger von kompetenten Fachleuten in Frage gestellt. Ich selbst stehe dem Darwinismus seit Jahren mehr als zweifelnd gegenüber und befinde mich damit in allerbester wissenschaftlicher Gesellschaft). Bleiben wir bei den Fakten. Die Frage stellt sich: Warum opfern sich zum Beispiel einzelne Tiere für ihren Vogelschwarm, ihre Herde oder Rudel oder ihren Nachwuchs auf? Für den einzelnen Helden bedeutet dies oft seinen Tod. Aber die Gemeinschaft kann nur fortbestehen, wenn aus ihr solche aufopferungsbereiten Helden hervorgehen. Andernfalls wären sämtliche Tiergruppen zum Aussterben verurteilt. Daraus hat sich ein grundlegender Wandel in der Beurteilung unserer Tierwelt ergeben: Das Tier, soweit es in sozialen Gemeinschaften lebt, folgt in seinem Handeln gegenüber Gruppenmitgliedern ethischen Gesetzen, weil allein diese ihren Fortbestand sichern. Damit erlangen die Ergebnisse der Verhaltensforschung ein sittliches Niveau. Ich finde diese Ergebnisse ganz großartig und längst überfällig. Wir erkennen in den Mitbewohnern unseres kleinen zerbrechlichen Planeten, uns Menschen in sehr vielem ebenbürtige Geschöpfe, die nun endlich den Platz an unserer Seite bekommen, wo sie schon längst hingehörten. Und wir sollten, als die sogenannte „Krone der Schöpfung“, unser sittliches Niveau den Tieren gegenüber unter Beweis stellen, indem wir sie achten, artgerecht pflegen und respektieren, als eine andere Ausdrucksform der Schöpfung, aber genau so wertvoll wie wir!
Pro Vita.. ein Plädoyer für das Leben Von Winfried H. Aderhold, Bad Berleburg Es ist mir ein besonderes Anliegen eine "Lanze" für unsere Tiere und besonders für unsere Vögel, zu brechen. Wir organisierten Vogelzüchter züchten Vögel zu unserer Freude und zum Zweck, bei den verschiedensten Ausstellungen Erfolge zu erzielen. Das heißt, wir "produzieren" Tiere, die dem uns vorgegebenen Standard entsprechen, ein wunderschönes Hobby, an dem wir uns begeistern und dem wir einen erheblichen Teil unserer Freizeit opfern. Finanziell lohnt es sich für die allermeisten Kollegen nicht. Umso bewundernswerter ist das Engagement, das wir an den Tag legen. So ist es auch richtig, - so soll es auch sein. Wir wollen Vögel nach dem uns vorliegenden Standard züchten. - was ja bestimmt nicht leicht ist. Alles wunderschön und richtig und es bereitet uns viel Freude. Meine Sorge ist aber immer: Sehen wir n u r noch den Standardvogel, der uns Erfolge auf Ausstellungen bringt, oder sehen wir auch das wunderschöne, zarte und schützenswerte Lebewesen, dass uns anvertraut ist um ihm optimale Lebensbedingungen, ja unsere Zuneigung und Liebe zu geben? Ich unterstelle den meisten Kolleginnen und Kollegen, dass sie dies in großer Verantwortung vor unserem kleinen, hilflosen Mitbewohner unseres Planeten tun. Trotzdem höre ich schon mal mit Entsetzen die Worte: "Einen Vogel habe ich gegen die Wand geworfen. Der entsprach nicht den gewünschten Anforderungen." Und das brutale Züchterwort, dass zu einem guten Züchter auch ein scharfes Messer gehört, passt in unsere allen Lebewesen gegenüber rücksichtslose Zeit, wo sich jeder der Nächste ist, jeder auf der Gewinnerseite stehen will. Und dies geht meist nur auf Kosten anderer Lebewesen. In einer Ausgabe unseres Fachorgans, "Der Vogelfreund", las ich mit Genugtuung die Worte des großen Verhaltensforschers Professor Konrad Lorenz (1903 – 1989): "Schönheit der Natur und Schönheit der menschengeschaffenen kulturellen Umgebung sind offensichtlich beide nötig, um den Menschen geistig und seelisch gesund zu halten. Die totale Seelenblindheit für alles Schöne, die heute allenthalben so rapide um sich greifende Abgestumpftheit gegenüber Harmonie ist eine Geisteskrankheit, die schon deshalb ernst genommen werden muss, weil sie mit einer Unempfindlichkeit gegen das ethisch Verwerfliche einhergeht.“ Wie wahr, - und ich wage im Rückschluss zu behaupten, dass der Mensch, der mit der Natur brutal und rücksichtslos umgeht, dies leider auch bei seinen eigenen Artgenossen praktiziert. Wir brau-chen nur die Meldungen der Presse und des Fernsehens zu betrachten, um die Worte von Professor Lorenz bestätigt zu finden. In diesem Zusammenhang sei auch noch das treffende Wort des Sioux-Häuptlings Lame Deer zitiert: „Das Herz des Menschen, fern von der Natur, wird hart. Mangel an Achtung vor dem was wächst und lebt, führt schnell zu einem Mangel an Achtung vor dem Menschen." Und genau an dieser Stelle bewegen wir uns schon lange! Um noch einen großen Denker zu zitieren, möchte ich die Worte des Harvard-Professors, Pulitzer-Preisträgers und Psychiaters, Dr. John E. Mack, wiedergeben: "...wir sind eine Gattung außerhalb der Harmonie mit der Natur, die umherwütet, während sie ihren Wünschen auf Kosten anderer Lebewesen und der Erde, die uns das Leben gegeben hat, nachjagt." Harte, aber wahre Worte, die wir, wie oben bereits erwähnt, leider jeden Tag bestätigt finden. Wollen wir Vogelliebhaber und Vogelzüchter uns an diesem schrecklichen Tun beteiligen? Können wir nicht einem Vogel der sich durch unsere eigene Technik und Verschulden am Gitter aufgehängt hat und dabei sein Bein, unter meist großen Schmerzen und Blutverlust, verloren hat, und damit natürlich kein Ausstellungsvogel ist, das Gnadenbrot geben? Schon öfter habe ich dies getan. Deshalb betrachte ich mich nicht als einen besonders guten Menschen, aber die Achtung vor dem Leben schlechthin, dem großen Respekt vor der Entstehung des Lebens, in unserem Fall aus dem Ei, dieser von Kalk umgebenen Flüssigkeit, bis hin zu dem zarten, wunderbaren Geschöpf, mit so vielen uns Menschen sehr ähnlichen, von uns leider immer wieder unterschätzten Gefühlen und Empfindungen, verlangt mir eine große Bewunderung und Achtung vor dem Leben und seinen so großartigen Geschöpfen ab. Und bitte denken Sie daran, dass alles Leben auf dieser Erde, also auch der Mensch, die selbst ernannte „Krone der Schöpfung“, biologisch/chemisch gesehen, aus den gleichen Bestandteilen besteht. Ebenso sind die biologisch /chemischen Steuerungsmechanismen innerhalb des Genoms, die ein Lebewesen, ob Mensch, Tier oder Pflanze zu dem großartigen Endprodukt werden lassen, was es dann letztendlich auch ist, genau die Gleichen. Alles was auf dieser Erde wächst, kreucht und fleucht ist aus dem gleichen Stoff und unterliegt den gleichen großartigen, uns Menschen noch nicht in allen Einzelheiten bekannten Naturgesetzen! Dies alles muss uns doch zu einer großen Ehrfurcht und großen Solidarität, ja ich möchte sagen, zu einer großen Brüderlichkeit mit allem Leben zwingen. Wir Vogelliebhaber und –Züchter, wir Praktiker, die wir täglich mit unseren Tieren zusammen sind, sollten uns auch mehr mit dem Wesen, dem Verhalten der Vögel befassen. Wenn wir dies durch ruhige und ständige Beobachtung tun, werden wir bei unseren Vögeln tiefer in deren Psyche,Verhaltensweisen, Familienleben usw. eindringen und uns eine sehr interessante Variante unseres Hobbys erschließen. Wir werden bestimmt ein ganz anderes, besseres Verhältnis, eben durch Verständnis, zu ihnen bekommen, ein Verhältnis, welches uns tief befriedigen wird. Fangen wir also schon heute damit an, denn diese hilflosen, liebenswerten Geschöpfe sind uns anvertraut. Betrachten wir doch unsere Vögel unter dem Aspekt des eben Gesagten und ich bin gewiss, dass wir sie dann auch aus einem anderen, liebevollen Blickwinkel betrachten. Wir dürfen bloß unsere Vögel nicht n u r mit „Ausstelleraugen“ sehen, sondern als großartige Individuen, als gleichberechtigte Bewohner unserer Erde, die doch so viel mit uns, der selbst ernannten „Krone der Schöpfung“ gemeinsam haben! Behandeln wir sie also mit großem Respekt, auch wenn sie nicht dem Schaustandard entsprechen. Winfried H. Aderhold
Wie wir Vogelzüchter uns in der Öffentlichkeit (nicht) verhalten sollten von Winfried H. Aderhold Auf einer Halbjahres-Versammlung unseres Verbandes, wies unser Verbandskollege und DKB-Präsident, Klaus Weber, eindringlich darauf hin, dass wir Vogelzüchter uns in der Öffentlichkeit unser Handeln und unsere Äußerungen sehr sorgfältig überlegen sollten. Ich bin ihm sehr dankbar dafür, dass er uns darauf aufmerksam machte! Es ging und geht halt eben darum, dass wir Vogelzüchter und Vogelhalter von verschiedenen Seiten permanent angegriffen werden. Von offizieller Seite steht uns der Paragraph 11b ins Haus, der u.a. auch die sogenannte Qualzucht uns Züchtern vor Augen und Gewissen hält und bestimmte Vogelarten mit einem generellen Zuchtverbot belegen möchte. Klaus Weber erklärte sehr deutlich, dass wir uns in der Öffentlichkeit ganz bewusst zurückhalten müssen, vor allem mit bestimmten Ausdrücken und Handlungsweisen. Ich möchte ein paar negative Beispiele aufführen, wie Züchterkollegen mit Wort und Tat unserer Sache im obigen Sinn schaden, und was ich in langjähriger Praxis mehrmals gehört habe. Aussprüche, die sich für einen echten Vogelzüchter und Vogelliebhaber nicht gehören und die ethisch und moralisch absolut nicht vertretbar sind. Bei Beginn meiner „Vogelkarriere“ hörte ich die Worte eines ganz bedeutenden deutschen Vogelzüchters, den ich wegen seines großen Fachwissens sehr verehrt habe, die mich aber zutiefst geschockt haben: ,, Zu einem guten Züchter gehört auch ein scharfes Messer." Womit er sagen wollte, dass alle Tiere die nicht dem Standart entsprächen getötet werden müssten, um Ausstellungserfolge zu haben. Dann hörte ich im Laufe meines Züchterlebens auch die Worte: „Wenn ich schon im Nest sehe, dass einige Junge nicht dem geforderten Standard entsprechen, dann schmeiße ich diese direkt in die Mülltonne". Eine schreckliche, Leben verachtende, Handlungsweise. Demgegenüber ist die Formulierung eines mir sehr lieben Kollegen noch absolut harmlos, der auf einer Verbandsversammlung von „Zuchtmaterial“ sprach und dafür folgerichtig aus der Versammlung heraus heftig kritisiert wurde. Wir haben es mit Lebewesen zu tun. Mit Wunderwerken der Schöpfung, oder der Evolution, (ob dies oder das, da gehen die Ansichten auseinander). Letztendlich kommt es aber auf das Gleiche heraus: Es ist ein Wunder, dass aus den geringen Ingredienzien, sprich Ei und Sperma, ein komplettes, großartiges und fertiges Lebewesen entsteht. Wir können und müssen mit großem Respekt vor dem Leben zusehen, wie ein Wunderwerk aus biologischem Zusammenwirken entsteht. Warum begreifen viele das nicht, so habe ich mich oft gefragt. Man bezeichnet sich so gern in unserer Gesellschaft als Christ, aber das Gebot „Du sollst nicht töten", beziehen die meisten Menschen nur auf ihre eigene Spezies. Ich möchte an dieser Stelle den katholischen Theologen Professor Eugen Drewermann zitieren: „Das christliche Abendland kennt keine Ethik, die das Leid der Tiere und das Leid von Menschen als gleichgewichtig erscheinen ließe. Denn: Nur Menschen sind unsterbliche Wesen.“ Und, Professor Drewermann weiter“...so muss die menschliche Spezies zum ersten Mal in ihrer Geschichte damit aufhören, das Gebot Gottes im Paradies uneingeschränkt zu befolgen, welches da lautet: Wachset und mehret Euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alle Tiere, die auf Erden sich regen.“ (zitiert aus: Über die Unsterblichkeit der Tiere, E. Drewermann, Walter-Verlag). Sicher, diese Worte haben schlimme Folgen in der Geschichte der Tiere und auch der Pflanzen ausgelöst. Die Tierversuche, die katastrophalen Haltungs-, Unterbringungs- und Transportarten, die Mastpraktiken und vieles mehr, alles kann man letztendlich mit diesem Bibelwort entschuldigen. Wir alle, Tiere wie Menschen und auch Pflanzen, bestehen biologisch aus den gleichen Substanzen und sind irgendwie alle innerhalb der großartigen Schöpfung miteinander verwandt. Wenn man nur bedenkt, dass das Erbmaterial, also die DNS/DNA, des Schimpansen und des Menschen nur einen Unterschied von etwa 2% aufweist, ja, lieber Himmel, mit welchem Recht bezeichnen wir uns und fühlen uns auch so, als die Krone der Schöpfung?! Wenn man dazu noch die bis heute leider nur sehr spärlichen Forschungsergebnisse der Zoologen über die Verhaltensforschung liest, - leider haben wir mehr Geld für das Umbringen von Tieren übrig als für deren Erforschung, dann sehen wir auch hier wie nahe diese, vor allem die sogenannten höher entwickelten Tiere, uns Menschen sind. Und dann kommt noch der schwer interpretierbare Begriff Seele hinzu. Ich empfehle an dieser Stelle das Buch des eben zitierten katholischen Querdenkers Prof. Eugen Drewermann: „Über die Unsterblichkeit der Tiere", mit dem Untertitel „Hoffnung für die leidende Kreatur" (Walter Verlag). Im Vorwort sagt Luise Rinser: „Wenn wir die Schreie der vom Menschen gequälten Tiere mit unseren Ohren hören müssten, wir ertrügen sie nicht. Wir verstopften unsere Ohren". Wer gibt uns das Recht so mit unseren Mitgeschöpfen umzugehen? Der Theologe Prof. Drewermann sagt, dass die Interpretation des oben genannten Bibelwortes letztendlich Schuld an unserem (verbrecherischen) Umgang mit den Tieren sei. Und ich kann aus eigenem Erleben und Erfahrung sagen: Wir Menschen suchen uns doch seit frühesten Zeiten aus allen uns bekannten „Heiligen Schriften" dieser Erde immer nur das heraus was uns passt und womit wir unser Verhalten entschuldigen und legitimieren können. Das ist leider Fakt. Das Multigenie Leonardo da Vinci, geboren 1452, sagte bereits damals voraus, wie er auch so manche wissenschaftliche Voraussage gemacht hat: „Es wird die Zeit kommen, da das Verbrechen am Tier ebenso geahndet wird wie das Verbrechen am Menschen.“ Erste Anzeichen gibt es gottseidank nun schon. Ich sehe die jahrelang von den christlichen Unionsparteien blockierte Gesetzesänderung, den Tierschutz in das Grundgesetz aufzunehmen. Ich zitiere aus der Westf. Rundschau v. 13. April 2000: Berlin(AP): Der Tierschutz wird vorerst nicht als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Die Unionsfraktion sprach sich in Berlin geschlossen dagegen aus und verhinderte damit die Zweidrittelmehrheit. die im Parlament für eine Änderung der Verfassung notwendig wäre. Die entscheidende Abstimmung im Plenum sollte noch in dieser Woche stattfinden. Die übrigen Fraktionen im Bundestag plädierten für die Verankerung des Tierschutzes im Grundgesetz. Zum Glück ist das Gesetz in der Zwischenzeit für unsere Tiere dann doch positiv geändert worden. Aber zurück, zu uns Vogelzüchtern. Aus dem eben Gesagten sollten wir, und das meinte letztendlich auch unser DKB-Präsident Klaus Weber, vorbildlich handeln und uns nach Außen unbedingt positiv darstellen, damit wir zum einen die Verantwortung gegenüber unseren Vögeln dokumentieren, und zweitens auch keinen Anlass denen geben, die uns als Vogelhalter und Vogelzüchter nicht mehr sehen wollen.
Züchten, ausstellen und gewinnen...... ....das Zuchtjahr geht vorbei Eine Betrachtung von Winfried H. Aderhold Eigentlich haben wir ja das ganze Jahr Freude an unserem schönen Hobby, - aber zweimal im Jahr ist die Vorfreude auf kommende Ereignisse besonders groß. Das erste Mal können wir nicht erwarten mit der Zucht zu beginnen. Wir sichten unseren Vogelbestand im zeitigen Frühjahr und freuen uns auf die Zucht und den Nachwuchs. Sorgfältig wählen wir die Zuchttiere aus und hoffen, dass wir die richtige Zusammensetzung getroffen haben. Denn dies ist ja bekanntlich die beste Voraussetzung für typechte Vögel. Sicher sind wir uns dabei nicht immer, aber es ist halt der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Dass unsere Tiere gesund und munter sind, - versteht sich von selbst. Dann können wir nur hoffen, dass trotz der Erfahrung im Umgang mit unseren Tieren, eine große Anzahl Jungvögel im Nest liegen und es auch gesund verlassen. Das zweite Mal freuen wir uns auf die kommenden Schauen. Wir selektieren unseren Bestand nach den bekannten Kriterien und oft fehlt uns der vierte Vogel für eine komplette Kollektion, oder der Einzelvogel ist nicht so wie er sein sollte. Trotzdem, - wir schaffen es schon! Schaffen müssen wir es auch in unserem OKV, auf allen wichtigen Schauen vertreten zu sein und nach Möglichkeit zu siegen. Alle sollten wir Freude am Ausstellungswesen haben! Wir sollten aber auch den Ehrgeiz haben die "Fahne unseres Landesverbandes" hochzuhalten. Es dürfte doch bei den vielen wirklich guten Züchtern die wir haben nicht allzu schwer sein gute Platzierungen zu erreichen! Dies war in den vergangenen Jahren auch der Fall, was uns sehr stolz gemacht hat. Wir hatten Weltmeister, Vize- Weltmeister, viele Deutsche-Meister und Vizemeister. Es waren schon tolle Erfolge die unsere LV12-Züchter zu verzeichnen hatten. Wenn ich auf den Schauen war, habe ich im Katalog erst nach Züchtern unseres OKV gesucht und mich riesig gefreut, wenn Spitzenergebnisse erzielt worden waren. Ich habe mich aber auch, und das muss ich sagen, über alle Aussteller aus unserem Verband gefreut und ich möchte allen dafür danken, dass sie den OKV auf diesen Schauen repräsentierten. Mein Wunsch in diesem Jahr wäre, dass noch mehr Kolleginnen und Kollegen auf die weiterführenden Schauen gehen, einmal damit sie die Freude im Wettkampf mit überregionalen Züchtern erleben und zweitens, dass unser OKV im nationalen und internationalen statistischen Vergleich gut dasteht. Der erste große Schritt ist natürlich unsere eigene Verbandsschau, dieses Jahr in Willingshausen, mit Sicherheit bestens organisiert, wie wir das ja von unseren Freunden um Horst Haber gewohnt sind! Ich denke, es ist eine Pflicht für jeden OKV-ler dort auszustellen. Aber wir dürfen auch keine Angst vor der Konkurrenz bei den ganz großen Schauen haben. Die „Anderen“ müssen erst einmal besser sein, - und das ist oft nicht der Fall! Ich wünsche viel Erfolg für die kommende Schausaison. Euer Winfried H. Aderhold
Herbst.... eine Jahreszeit für uns Züchter, auf die wir das ganze Jahr hingearbeitet haben und auf welche wir uns freuen. Jetzt, auf den Prämierungen, zeigt es sich, ob wir die „Weichen“ richtig gestellt haben. Schon im zeitigen Frühjahr haben wir begonnen die Vögel zusammen zu stellen, in der Hoffnung, dass wir das Richtige getan haben, damit die Nachzucht dem uns vorgegebenen Standard entspricht. Große Mühen und Sorgen um die Jungvögel haben uns das ganze Jahr über in Atem gehalten, - und nun ist Herbst. Die schöne Zeit der Ausstellungen mit Prämierungen beginnt und wir sind gespannt, ob unsere Bemühungen auch von Erfolg gekrönt sind. Ja, Erfolg, was ist das eigentlich? Der Großteil der Mitmenschen versteht unter diesem Wort wirtschaftlichen Wohlstand, berufliche Karriere, - schlichtweg viel Geld verdienen. Das Ergebnis ist, wie wir ja in unseren westlichen Ländern sehr gut beobachten können, die Verarmung an Menschlichkeit, an Toleranz und der oft viel belächelnden Nächstenliebe, - jeder kümmert sich nur um sich selbst. Das ist der Preis unseres Wohlstandes. Leider müssen wir damit leben! Doch bei uns Vogelzüchtern sieht das gänzlich anders aus. Natürlich verstehen unter dem Begriff Erfolg auch manche von uns eine Menge Vögel zu züchten, um sie später zu Geld zu machen, also nicht nur kostendeckend zu wirtschaften. Von dieser Spezies gibt es leider auch eine ganze Reihe Kollegen. Die meisten Liebhaber unseres Hobbys allerdings, und da schließe ich mich bestimmt nicht aus, sehen im Erfolg typechte Vögel nach unserem Standard zu züchten, um auf Ausstellungen ihre Vögel hoch bewertet zu bekommen, zu siegen, um Preise zu holen. Dies ist die schöne, positive Art den Begriff Erfolg zu interpretieren und zu leben. Das macht unser Hobby auch so schön und so spannend. Aber gestatten Sie mir noch eine Frage, welche eine wesentliche Betrachtungsweise, einen anderen, wunderschönen Aspekt unserer Liebhaberei beleuchtet. Ist Erfolg in der Vogelzucht nicht auch die große Freude an unseren kleinen, bunten Freunden, mit denen wir das ganze liebe Jahr zusammenleben? Haben wir nicht täglich Freude an unseren uns anvertrauten Tieren, die doch oft in ihrer Art so „menschlich“ sind, allerdings ursprünglicher, natürlicher und ehrlicher als wir, die selbsternannt „Krone der Schöpfung“? Ich denke da besonders an die Paarhecke, wo wir das Familienleben der Vögel am besten studieren können. Für mich ist es immer ein besonderes Erlebnis und ein Geschenk, dieser Idylle zuschauen zu dürfen. Mit welcher Hingabe umsorgt z.B. der Hahn sein Weibchen, schon beim Nestbau und auch während der Brut. Später dann bei der Aufzucht der gemeinsamen Jungvögel. Wenn die „Ehe“ intakt ist, geraten auch die Jungvögel! Natürlich gibt es auch böse Vogel-Väter und Mütter, - wie bei uns Menschen auch. Aber ist das Zuschauen und Miterleben des Vogellebens nicht auch eine große Befriedigung und damit ein ganz persönlicher Erfolg? Ich sage aus vollem Herzen ja, das ist es! Nun aber ist es Herbst und die spannende Zeit der Ausstellungen, und damit der Bewertungen unserer Vögel und auch unserer Arbeit, beginnt. Eine wunderschöne Zeit im Jahr, auf welche wir uns lange vorbereitet und gefreut haben. Wissen Sie worauf ich mich noch freue? Dass ich liebe Freunde treffe und neue kennen lerne, Mitglieder unserer großen Vogelfreunde- und Vogelzüchter-Familie. Das Gefühl zu haben unter Gleichgesinnten zu sein. Und wenn unser DKB-Präsident Klaus Weber das Wort „Teamspirit“ benutzt, dann sicher auch in diesem Zusammenhang. Freuen wir uns also auf die Bewertungen unserer Vögel in dieser Saison, sei es auf den Vereins- und Verbandsschauen, der Deutschen Meisterschaft in Bayreuth, der Weltschau der COM in Spanien, oder der Europameisterschaft der Kleintierzüchter in Leipzig. Freuen wir uns auf ein Treffen mit Vogelfreunden. Freuen wir uns auf den Erfolg unserer Vögel.
Kennen Sie den Sender „Radio Vogelhaus“? Von Winfried H. Aderhold Ich kenne ihn sehr gut, ja ich betreibe ihn selbst. Meine „Mitarbeiter“ sind meine Kanarien, deren Gesang ich so gerne höre. Vor einigen Jahren kam mir die Idee mein Vogelhaus und mein Wohnhaus, welche ca. 20 Meter voneinander entfernt stehen, drahtlos zu verbinden. Auslöser war indirekt mein kleines Enkelchen, welches wir öfter verwahren mussten und welches wir nachts per Babyphon überwachten. Da kam mir die Idee, dass man mit einem solchen Gerät auch eine ideale akustische Verbindung zu meinem Vogelhaus und seinen kleinen Bewohnern schaffen könnte. Gesagt getan und nun besteht „Radio Vogelhaus“ bereits ein paar Jahre. Schon früh am Morgen gehe ich auf Empfang und meine kleinen gelben Hofsänger, „Harzer Roller“ nennen sie sich, bringen mir im Chor ein wunderschönes Ständchen. Ich habe dann das Gefühl, als säße ich unmittelbar in ihrer Mitte. In Gedanken sehe ich, wie sie bei ihrem lieblichen Gesang die Köpfe recken und sehe wie ihre kleinen Kehlchen vibrieren. Dann habe ich natürlich auch mal solche Sänger dabei, die nun gar nicht so schön und rein singen. Dies sind die farbenfrohen Mitglieder meines Teams der Gattung „Farbenkanarien“ und „Gestaltkanarien“. Wunderschöne Vögel, hübsch anzusehen, nur ihre Stimmen hören sich manchmal sehr unschön an. Diese Kollegen sind in meiner Künstlergruppe mehr Schauspieler als Sänger, und, sofern ich sie gemeinsam im Senderaum mit den „Edelsängern“ habe, stören sie mit ihrem disharmonischen, wirklich nicht sehr wohlklingenden Gesang, den Chorus der so sangesbegabten „Harzer Roller“. Die Intonierung dieser Chormitglieder ist manchmal so schrill, dass ich den Empfang ganz schnell unterbrechen muss, um mein musikalisches Gehör nicht hinrichten zu lassen. Aber ich höre nicht nur den „Männergesangverein“, sondern auch das die Männer ermunternde Pfeifen der weiblichen Mitglieder des Radio-Ensembles. Diese begeistern sich offensichtlich noch mehr an den wollüstigen Stimm-Äußerungen der Männer als ich selbst. Während, aber besonders nach dem Gesang, kann man hören, wie sie schmachtend nach ihnen rufen. Und, ohne dass ich nun visuellen Kontakt zu dem Geschehen im Vogelhaus habe, so meine ich doch zu bemerken, dass sich dort manches „Gspusi“ anbahnt. Aber genau da liegt der Unterschied zwischen hören und sehen. Natürlich möchte man als Intendant auch gerne sehen „wer mit wem“, denn in der Harmonie liegt der Erfolg. Und wenn man diese sich abzeichnenden zarten Bande im Vorfeld schon sehen würde, dann könnte man natürlich auch Einfluss auf die Zusammenstellung eines sich liebenden und harmonierenden Duos nehmen. Und glauben Sie mir, ein solches Duo wäre (in der Zucht) ganz sicher erfolgreich. In meine „Radiostation“ hineinhören ja, aber hineinsehen kann ich aus der Ferne leider noch nicht. Aber auch da gibt es preiswerte technische Möglichkeiten, um aus dem „Hörfunksender Radio Vogelhaus“ eine „Fernsehstation Vogelhaus“ zu machen. Das wurde mir auf der letzten COM -Weltmeisterschaft noch einmal vor Augen geführt, als ich am Stand einer holländischen Firma entsprechende, und nach meinem Empfinden auch preiswerte, Technik vorgeführt bekam. Abschließend möchte ich allerdings betonen, dass jede Vogelhaus Radio- und Fernsehübertragung nur ein Abglanz dessen sein kann, als wenn man direkt vor seinem Ensemble sitzt und die Sänger und deren weiblichen Zuhörer in Natura erlebt. Dies ist ein besonderes, - ein großes Erlebnis.
Und wenn ich dann das Glück habe vor der kleinen „Bühne“ mit dem schwarzen Hintergrund sitzen zu dürfen um einem exzellent singenden Quartett zuzuhören, dann geht mir das Herz auf. Wir Vogelzüchter haben ein wunderbares Hobby, - dessen sollten wir uns stets bewusst sein!
...die kleine „Bühne“ vor dem Preisrichter Winfried H. Aderhold Leserbriefe zu "Radio Vogelhaus" "klick hier" Ein Nachmittag bei den „Hühnern“ Von Winfried H. Aderhold Das war ein Erlebnis der besonderen Art.
Eine schöne Schau, klein, aber fein, und was ich in dieser Form noch nie erlebte, war die Gemeinschaft der Züchter inmitten der Ausstellung. Ich wurde in diesem Kreis als Vogelfreund begrüßt und an den „Stammtisch“ gebeten. Hier saßen alte „Federfreunde“ beieinander und diskutierten, wie üblich, über die Qualität der Tiere und natürlich über die so ungerechte Bewertung durch die Preisrichter.
Es war einfach ein schöner Nachmittag unter Freunden des Federviehs und ich war froh, dass ich in diesem Kreis teilnehmen durfte an einer solch großartigen Gemeinschaft zwischen Ausstellern und ihren herrlichen Tieren. Der Sänger im Basar... ein Reiseerlebnis von Winfried H. Aderhold Enge Gassen durch die ich gehe. Kopfsteinpflaster. Ein von Blüten überquellender herrlicher Oleander wächst aus einer halbverfallenen Mauer. Über mir in luftiger Höhe hängt die Wäsche zum Trocknen quer von Haus zu Haus. Menschen in malerischen Gewändern eilen an mir vorbei. Die Frauen tragen Kopftücher. Sie betrachten mich neugierig, aber freundlich. Vorbei an einem Hibiskusstrauch mit wundervollen roten Blüten, gelange ich durch uralte Torbögen, wo man zwangsläufig etwas Bedenken hat durchzugehen, weil man fürchtet sie fielen gleich zusammen, erreiche ich den Basar. Er ist voller Menschen die mehr oder weniger eilig an den Ständen der Händler vorbei gehen, stehen bleiben, etwas kaufen, oder feilschen wie sich das im Orient so gehört. Ein buntes Treiben zwischen Teppichen, Gewürzen, Textilien, Kupfer und Keramikwaren. Ein besonders intensiver, aber nicht unangenehmer Geruch liegt über allem. Die Gewürze atmen aus. Teesorten werden angeboten, die ich so noch nie gesehen habe. Und in Farben, teilweise so grell und intensiv, dass ich mich frage, ob sie nicht künstlicher Art sind. Es herrscht ein babylonisches Sprachengewirr. Aus freundlichen Gesichtern blicken mich dunkle Augen an. Mit der größten Selbstverständlichkeit sprechen mich die Händler in gut verständlichem Deutsch an. Woran die in dem Gewühl von Menschen vieler Nationalitäten und Sprachen erkennen dass ich Deutscher bin, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Jeder Händler will mir etwas verkaufen, - das verstehe ich sehr gut, denn man lebt ja von den Verkäufen an die Touristen. Und dann höre ich bekannte Töne. Als Kanarienzüchter ist mir schlagartig klar, hier singt ein Kanarienvogel sein Lied. Trotzdem frage ich mich im Innern ob ich träume, - mich verhört habe. Meine Augen suchen in dem Gewirr von Menschen und Handelswaren nach dem Verursacher des mir so vertrauten Gesanges.
Der unruhige und laute Strom der Touristen fließt an seinem Laden vorbei, ohne dass einer auf seinen Sänger in dem Käfig aufmerksam wird. Das Interesse gilt nur den ausgelegten Waren, welche sie mit neugierigen, manchmal sogar leuchtenden Augen bestaunen, denn es sind wirklich schöne exotische Dinge darunter. So kaufe denn auch ich ein paar Souvenirs bei meinem neuen Vogelfreund - und zwar ohne zu handeln, wie dies sonst absolut üblich ist. Ich sage ihm, dass er die durch mich bewusst nicht ausgeschöpfte Handelsspanne in Futter für seinen Kanari investieren solle. Wir lachen beide und ich habe das Gefühl, dass oben in seinem Käfig „unser“ Hansi ein besonders schönes Lied singt. Vielleicht freut er sich auch, dass es in dem Gewühl der sonst an ihm uninteressierten Touristen einen gibt, der sich an ihm und seinem Lied erfreut. In Gedanken versunken gehe ich zurück durch die engen Gassen zum blauen Meer. Ich setze mich auf einen kleinen Felsblock in den Schatten einer alten Palme. Der Wind fächelt die großen filigranen Blätter. Ich sehe die Wellen mit dem Strand spielen und höre ihr ewiges Rauschen. In dieser friedvollen Atmosphäre sehe ich vor meinem inneren Auge meine Kanarien zu Hause. Ob sie vielleicht auch gerne einmal an so einem schönen Ort wären wie hier, wo ich gerade sitze? Dann denke ich wieder an meine Bekanntschaft mit dem Basar-Kanari, an seine Vitalität und Fröhlichkeit die er in all dem lauten Getümmel demonstrierte. Ich sehe aber auch meinen Vogelfreund, den Basar-Händler. Und dann überkommt mich ein großes Glücksgefühl bei dem Gedanken, dass es überall auf der Welt Menschen gibt die ein inniges Verhältnis zu Tieren haben. Nicht wegen ihres Nutzens, sondern weil sie sich in ihrem Inneren mit ihnen verbunden fühlen. Und ich glaube fest daran, dass Menschen mit dieser Denkweise auch mit ihren eigenen Artgenossen liebevoll umgehen. Und wenn ich unter dieser Erkenntnis das kriegerische inhumane Geschehen auf unserer Welt betrachte, kann ich nur den Herzenswunsch aussprechen: Wären doch alle Menschen echte Tierfreunde!
Am Anfang war Onkel Willi Kroh, oder der Beginn einer großen Leidenschaft - wie ich zum Kanarienzüchter wurde - .
Von Bekannten wurde ich nach Züchtern von Kanarien gefragt und wusste keine Auskunft zu geben. Meine Frau konnte helfen. Sie sagte mir, dass in unserer etwas entfernteren Nachbarschaft ein älterer Mann wohne, den auch ich flüchtig kannte, und dieser, eben Onkel Willi, züchte Kanarienvögel. Ich ging hin und fand ihn, der als Rentner nebenher in seiner Holzwerkstatt arbeitete. Die ganze Umgebung und die Atmosphäre habe ich noch in guter Erinnerung. Gemeinsam mit seiner Frau Minna, beide im Rentenalter, stand er in der kleinen Werkstatt und schnitt aus Eschenholz Frühstücksteller in den verschiedenen Größen und Ausführungen. Die Beiden plagten sich redlich um sich ein Zubrot zu verdienen. Onkel Willi war von Haus aus Schreiner, - ein ruhiger, freundlicher Mann, meist mit einer kalten Zigarre im Mundwinkel. Wir kannten uns vom Sehen und unterhielten uns erst einmal über seine Arbeit. Dann kam ich mit meiner Frage, ich hätte gehört, dass er Kanarienvögel züchte. Sein Erstaunen ob dieser Frage war groß, denn er war ein Mensch der Stille und wunderte sich sehr, dass ein fast Fremder über seine Liebhaberei informiert war. Nur langsam kam er aus der ,,Reserve“, denn so richtig wusste er mein Interesse nicht einzuordnen. Ja, kam es dann langsam aus ihm hervor, er hätte ein paar Kanarienvögel, ja, wenn ich mich dafür interessiere, könne ich ja mal mit ihm nach oben auf den Dachboden gehen, dort habe er seine Vögel. Nun muss ich sagen, dass ich immer schon großes Interesse an Tieren, vor allem aber an Vögeln, hatte, und ich war sehr gespannt, was mich da wohl auf dem Dachboden erwarten würde. Wir gingen also nach oben und Onkel Willi, das konnte ich merken, war immer noch etwas misstrauisch, aber als Nachbar konnte er mir schlecht meinen Wunsch abschlagen. Oben auf dem Dachboden angekommen traute ich meinen Augen nicht, und ich kam aus dem Staunen nicht heraus, denn so etwas hatte ich ja noch nie gesehen! Da saßen Vögel in langen, fest eingebauten Käfigreihen. Onkel Willi klärte mich auf: das sei eine Hecke. Na ja, - Hecken kannte ich von den Feldrändern her und ich assoziierte, dass in denen ja auch Vögel brüten, also konnte ich eine Verbindung zu der Zuchthecke gedanklich schnell herstellen. Onkel Willi züchtete also Kanarien. Er nannte mir die Farbschläge, mit denen ich natürlich wenig anfangen konnte. Diese Vögel nenne man Rotschwarz, die anderen Gelb und wieder andere Gelbgescheckt. Hier, in diesen Käfigen, seien Gesangskanarien. Nun ja, sagte ich, soviel weiß ich ja auch, dass Kanarienvögel singen. Ja ja, sagte Onkel Willi, das sei zwar im Prinzip richtig, aber die Farbenkanarien würden nicht auf Gesang gezüchtet wie eben die Gesangskanarien, auch Harzer Roller genannt, deren Lied, im Gegensatz zu dem der Gesangskanarien, doch sehr schrill sei. Farbenkanarien züchte man in den verschiedensten Farben und Farbkombinationen. Er versuchte mir die Grundbegriffe und Unterteilungen der Kanarienarten zu erklären. Ich war fasziniert! Vor allem das Zuchtgeschehen hatte es mir angetan. Wie beglückt war ich doch zu sehen, wie die Pärchen inbrünstig ihre Jungen in den Nestern fütterten. Wie die Kleinen die Schnäbelchen aufsperrten, in welche die Eltern mit großer Hingabe das Futter hineinstopften. Ich sah Jungvögel in allen Altersstufen und ich, als total Fremder in dieser Materie, war begeistert. Ich glaube, dass es mich in dieser Stunde ,,erwischte". Es war das Zuchtgeschehen, muss ich rückblickend sagen, von welchem ich so angetan war, weniger die Farbenpracht, die sich mir hier offenbarte. Vom Ei zum fertigen Vögelchen, - diese Entwicklung war mir natürlich theoretisch schon bekannt, aber in Natura dies zu sehen, sozusagen hautnah, verschlug mir dann doch den Atem. Welch ein Wunder der Natur! Und wie hilflos diese kleinen jungen Wesen waren, angewiesen auf die Fürsorge der Eltern. Dann erklärte mir Onkel Willi, - er wurde immer offener in seinem Reden und seiner ganzen Art, denn er merkte natürlich meine Begeisterung und Faszination welche seine Vögel in mir hervorriefen, - die Fütterung, Anpaarung, Zusammenstellung und Aufzucht seiner Tiere. Er erklärte mir die Farbschläge so gut er konnte, denn Schauzüchter, wie wir das heute verstehen, war er beileibe nicht. Er stellte nie aus, war auch in keinem Vogelverein, - nein, er hatte „nur“ seine Freude an den schönen Tieren und an deren Zucht. Es war sein Hobby, seine Leidenschaft, Freude und Entspannung nach seiner harten Arbeit. Solche Liebhaber mochte ich schon immer, - Menschen, die aus Begeisterung an der Sache für sich selbst und ihre Umwelt etwas tun. Nicht des Geldes und des Ruhmes wegen! Er liebte seine Tiere und das gab ihm Befriedigung, - so einfach war das, aber auch so großartig. Diese Freude sah man ihm nicht nur an, man spürte sie direkt körperlich. Und ich, - ja ich war so begeistert, dass ich ihn ganz vorsichtig fragte, ob er mir denn auch zutraue Vögel zu züchten. Ja, sagte er, das könne eigentlich jeder der sich mit Liebe und Sorgfalt ernsthaft diesen Tieren widmen würde. Kanarienliebhaber war ich nach diesen ersten Einblicken bereits, aber es sollte noch schlimmer kommen. Ich fragte Onkel Willi wo ich denn Zuchtkäfige her bekäme und er sagte mir, dass er noch alte Boxen habe, die er mir wohl überlassen könne. Zu Hause erzählte ich meiner Frau, dass ich Vögel züchten wolle. Meine Frau, eine echte „Tiernärrin", hatte natürlich nichts dagegen einzuwenden und so schaffte ich die räumlichen Voraussetzungen im Keller, damit ich mit der Vogelzucht beginnen konnte.
So wurde ich zum Kanarien-Züchter. Onkel Willi unterstütze mich sehr, weil ich nun sein begeisterter Zucht-Jung-Kollege war. Er hatte keine der damals sonst üblichen Geheimnisse in Bezug auf Fütterung, Haltung usw. vor mir. Er war wirklich mein Ziehvater, allerdings immer nur in Bezug auf Haltung und Zucht. Über Onkel Willi kam ich dann mit dem erfahrenen und intelligenten Züchter und Aussteller Martin Hengst in Verbindung. Nachdem ich diesem cleveren ,,alten Hasen" einige Abende und Nächte zu Füßen gesessen hatte, seinen gekonnten Vorträgen über Farbschläge, Haltung, Ausstellung, aber vor allem über Genetik, gelauscht hatte, war ich erst richtig von der Kanarienzucht begeistert. Martin Hengst hat mir viel beigebracht. Aber auch die lebenspraktische Seite kam von ihm, als er meiner Frau, die immer dabei war, sagte: „Frau Aderhold lassen Sie Ihren Mann ruhig Vögel züchten, denn wer dieses Hobby ernsthaft betreibt, hat keine Zeit im Wirtshaus seine Freizeit zu verbringen". Ja, so war er. Leider ist auch er bereits verstorben. Er war ein großer Könner und was er anpackte, das tat er richtig. Das alles spielte sich vor über 30 Jahren ab. Bis heute aber bin ich der Zucht von Kanarienvögeln treu geblieben! Es ist nun einmal ein wunderschönes Hobby, welches uns tiefe Einblicke in Werden und Vergehen gestattet. Wir dürfen zuschauen, wie aus dem kleinen Ei ein hilfloses, zartes Wesen entsteht, das sich zu einem prächtigen Vogel entwickelt. Wir dürfen dem Schöpfer sozusagen über die Schulter sehen und ihm auch ein bis'chen in's ,,Handwerk pfuschen", dank unserer genetischen Grundkenntnisse, die wir seit Gregor Mendel (1822 – 1884) besitzen. Wir sollten alle die gebührende Achtung vor allem Leben haben, besonders aber die Tiere in ihrer Art respektieren als gleichwertige Mitbewohner unseres kleinen, unscheinbaren Planeten Erde. Wir sollten sie nicht als ,,Zuchtmaterial" im Sinne von Material betrachte Praktizieren wir unseren Tieren gegenüber ein besonders gutes und verständnis- volles Verhalten. Sie verdienen es und danken es uns täglich! Ja, es begann bei Onkel Willi Kroh, einem einfachen, aber feinen Menschen. Leider ist auch er schon verstorben, aber ich bin ihm heute noch dafür dankbar, dass er mich die Liebe zu den Kanarien lehrte und so begeisterte, dass ich zum Vogelzüchter wurde und heute noch bin.
Winfried H. Aderhold
. Onkel Karl... eine besondere Begegnung
Das in meinem Artikel geschilderte Erlebnis mit „Onkel Karl“ ist so eine Begegnung, die sicher, so hoffe ich jedenfalls, alle echten Vogelliebhaber einmal in ihrem Leben gemacht haben, damit sie die Freude und innere Befriedigung der Vogelzucht erleben. Dass sie nicht nur Vögel nach dem Standart züchten, sondern sich schlichtweg an den Tieren erfreuen. Ich denke mir, dass mein Bericht von „Onkel Karl“ alle Vogelzüchter ein wenig motivieren wird, die uns anvertrauten Vögel in einem „menschlichen Licht“ zu sehen, genau so wie dieser alte Vogelliebhaber sie sah!
Als ich ihn kennenlernte, saß er in seinem Vogelhaus auf dem Sofa! Er hatte eine weite, speckige Cordhose an (früher nannte man so etwas Manchesterhose) und einen schon oft geflickten Pullover. Ein Stumpen, den er warm oder kalt rauchte und den er nie aus dem Mund nahm, ragte aus seinem unrasierten Gesicht. Misstrauisch sah er mich kurz an, nachdem ich ihm vorgestellt wurde. Wie gesagt, er saß auf dem Sofa, das, wie sein Besitzer, schon viele Jahre auf dem Buckel hatte. Der abgewetzte Bezug sprach Bände über die erduldeten Strapazen. Links neben dem guten Stück stand der alte Kanonenofen und verbreitete wohlige Wärme. Sehr angenehm bei dem kalten Wittgensteiner Winter vor der Türe. Rechts vom Eingang war eine große, raumhohe Voliere, besetzt mit Kanarien, Waldvögeln und Mischlingen. Gegenüber war die Zuchthecke installiert. Die Vögel bereits eingesetzt. Das Zwitschern der Vögel, das Knattern des Ofens, Onkel Karl selbst, gaben dem Raum eine Atmosphäre, die man nur mit dem Ausdruck „anheimelnd“ beschreiben konnte. Ich traute mich nicht viel zu reden, sondern beschränkte mich auf das Beantworten der Fragen, die mir Onkel Karl stellte. Wo ich wohnte, was ich beruflich täte, ob ich Vögel züchtete und wie lange schon. Er sah mich dabei ab und zu kurz, und wie gesagt, misstrauisch an. Er mochte offensichtlich keine Fremden in seinem Reich, und das hier, dieser Raum sein Reich, sein Zuhause war, - Das spürte man. Ich, der Fremde, war ein Eindringling, - ich kapierte und ging. Oft musste ich an Onkel Karl und seine kleine intakte Welt denken, und dann ging ich doch noch einmal hin, - diesmal alleine. Damit hatte Onkel Karl offensichtlich nicht gerechnet. Sein Erstaunen war spürbar. Aber meines auch, als nach geraumer Zeit abwartender Stille Onkel Karl zu erzählen begann, - von langen abwartenden Pausen unterbrochen und eingehüllt in den Qualm seines Stumpens. Ja, er hielt und züchtete schon lange Vögel, - schon als Schuljunge. Begonnen habe es mit Waldvögeln. Der Erste sei ein aus dem Nest gefallener Findling gewesen, den er hochgepäppelt habe. Damit habe es begonnen. Dann konnte er es nicht mehr lassen. Ich konnte nur mein Verständnis zeigen. Klar, so fängt es meistens an. Seit meinem ersten Besuch waren einige Wochen vergangen und in der Vogelhecke hörte man die Futterrufe der Jungvögel. Eine Hecke war es schon, aber nicht vergleichbar mit unseren modernen Anlagen. Sie bestand aus bunt zusammengewürfelten Boxen unterschiedlichster Größe und Bauart. Überhaupt, - von dem „modernen Zeug“ wollte er nichts wissen. Aufzuchtfutter ?? – er zeigte stumm auf ein halbiertes, gekochtes Hühnerei, mit Schale natürlich, von dem ein Stieglitzvater und eine Kanarienmutter emsig in die weit geöffneten Schnäbelchen ihrer Kinder stopften. Aufzuchtfutter, - so ein neuzeitliches Zeug, - nein, nein!! Sein Großvater habe schon so gefüttert und immer viele gesunde Junge auf die Stange gebracht. Und bitte, ich könne mich ja überzeugen, auch seine Nester seien alle, dank seiner Futtermethode, voll belegt. Liebevoll zeigte mir Onkel Karl seine Lieblinge. Er kannte alle und sie ihn bestimmt auch. Er wusste noch über den bereits verstorbenen Kanarien-Großvater, den „Gelben mit dem Kopffleck“, zu berichten. Er erinnerte sich noch genau an dessen Familiensinn und sein fürsorgliches Verhalten bei der Aufzucht seiner Jungen. Und während er von seinen Lieblingen erzählte, ging eine Verwandlung mit Onkel Karl vor sich. Aus der misstrauischen und verstockten äußeren Hülle leuchtete plötzlich eine liebenswerte, warmherzige Seele hervor, die sich offenbarte durch die einfühlsame Liebe zu seinen kleinen gefiederten Mitbewohnern, - seinen Vögeln. Mit ihnen und für sie lebte er. Hier erlebte er „live“ die Wunder der Schöpfung. Hier war er glücklich! Auf einmal konnte auch ich sein Misstrauen verstehen, dass ich als Vorsicht, - als Angst interpretierte hatte. Angst vor der Störung seiner Welt, - seines Paradieses! Ja, das war es, was ihn auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch erscheinen ließ. Durch sein ruppiges, wortkarges Wesen musste er eine Mauer um seine kleine glückliche und friedvolle Welt aufbauen. Keiner sollte sie ihm zerstören. Ich war ganz still und sagte nichts. Onkel Karl sah mich nach einer sehr langen Pause aufmerksam an, - dann legte er stumm seine Hand auf meine Schulter. Er musste intuitiv gespürt haben, was in mir vorging. Gespürt haben, dass ich ihn verstand und dass ich seine Liebe zu den Gefiederten teilte, - dass ich ebenso dachte wie er. Still und nachdenklich ging ich nach Hause!! Ich hatte Einblick nehmen dürfen, wie ein Mensch, indem er seine Liebe der kleinen Kreatur gab, seinen inneren Frieden fand und sein Leben sinnvoll gestaltete. Ich hatte einen echten, einen wahren Vogelfreund erlebt.
Winfried H. Aderhold
Nachdenkliches: Vertrauen = Verantwortung von Winfried H. Aderhold Wie groß muss das Vertrauen eines kleinen Vögelchens sein, welches sein Nest oberhalb einer Wohnwagentür in einen kleinen, dort als Zierde aufgehängten, Kranz baut?! Und der Wohnwagen ist bewohnt!! Die Besitzer erzählten mir von den ein- und ausfliegenden Vögeln, (Zaunkönig ??), die ungeniert ob der Anwesenheit ihrer „Vermieter“ ihre Jungen gefüttert hätten.
Haben unsere Vögel, die wir betreuen und züchten, nicht auch Vertrauen zu uns? Haben wir deren Vertrauen verdient? Sehen wir nicht nur in unseren Tieren die Champion-Vögel, die Spitzentiere, die uns Auszeichnungen, Ehre und evtl. auch materielle Vorteile bringen sollen? Gehen wir mit ihnen auch liebevoll um, wie sie es durch ihr Vertrauen in uns verdient haben? Oder selektieren wir bereits im Nest die Jungvögel danach ob sie nach dem von uns erstellten Standard lebenswert oder lebensunwert sind? Euthanasie im Vogelhaus? Denken wir nicht daran, dass wir es, ob der Vogel nun dem Standard entspricht oder nicht, mit einem wunderbaren Lebewesen zu tun haben welches in jedem Fall schützenswert ist? Mein Freund, der große unvergessene Klaus Speicher, der uns ja leider für immer verlassen hat, sprach oft von Kulturgut in unseren Händen, darum betonte er auch stets die Verantwortung die wir gegenüber unseren Vögeln haben. Er war nicht nur ein exzellenter Kenner der Ornithologie, sondern war ein Mensch, der hinter dem Erscheinungsbild des Vogels auch dessen innerste Empfindungen wahrnahm. Nicht umsonst wurde er vom DKB zum Referent für Vogelschutz und Ethik berufen! So sollten auch wir uns der Verantwortung gegenüber unseren Vögeln bewusst sein. Sie sind eben keine Ware, wie manche sie leider sehen, sondern lebendige Wesen, aus den gleichen biologischen Bestandteilen wie wir, aber, was wir bedauerlicherweise oft vergessen, auch mit ähnlichen, lieber würde ich sagen mit den gleichen Empfindungen wie wir Menschen. Wenn wir in unseren Vogelstuben mit der nötigen Ruhe, einem offenen Herzen und gesundem Verstand die Augen öffnen, können wir uns vor Ort von dem eben Gesagten täglich überzeugen. Es beginnt mit einer liebevollen Anpaarung, sofern wir keine Zwangsverpaarung vornehmen, geht über den sorgfältigen Nestbau bis zur Eiablage und Brut, wo das Weibchen seinen Partner ruft um gefüttert zu werden, was der liebevolle Hahn natürlich auch tut. Bei einer solchen Harmonie schon vor dem Schlupf der Jungvögel ist die problemlose Jungenaufzucht schon fast garantiert.
Versuchen wir doch einmal in unseren Vogelstuben das abgewandelte Wort zu praktizieren: „Liebe Deine Vögel wie Dich selbst“. Deine gefiederten Mitbewohner, die Dir vertrauen, werden es Dir von Herzen danken. Und, ich kann mir gut vorstellen, das die sogenannten Zuchterfolge durch die entstehende Harmonie in der Vogelstube bestimmt keinen Schaden erleiden, - sicher ganz im Gegenteil. So kamen mir die Gedanken bei der Betrachtung des Vogelnestes auf dem Campingplatz. Mein Herz wurde weit, als ich das große Vertrauen eines kleinen Vögelchens sah, welches das Wichtigste in seinem Leben, nämlich seine Nachzucht, die Erhaltung seiner Art, in einer für Wildvögel untypischen menschlichen Behausung großzog, offensichtlich in der Gewissheit, dass ihm von diesen Menschen keine Gefahr für sich selbst und seine Jungen ausging. Lassen wir in unseren Vogelstuben auch eine Atmosphäre des Vertrauens zwischen unseren zarten und wunderbaren Geschöpfen und uns, ihren Haltern und Züchtern, entstehen, immer in der Gewissheit, dass wir und sie der gleichen Schöpfung entstammen und wir die Pflicht haben sie artgerecht zu halten und zu pflegen, aber auch ihre Gefühle zu respektieren. Beide Partner, Züchter und Tiere, werden ein besseres Miteinander haben und beide werden auch ihre Vorteile daraus ziehen.
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Gedanken eines Vogelzüchters im Urlaub
Auftanken, ja, das täte auch meinen Vögeln gut. Erholung vor dem Stress der neuen Brutsaison. Vielleicht auch würden sie sich rückerinnern, mittels ihres genetischen Gedächtnis-ses . Sie würden sich bei diesen Temperaturen und in dieser Umgebung fast wie zu Hause fühlen. Palmen und Vegetation zwar absolut nicht so üppig wie in ihrer Urheimat, denn hier ist Wüste und sind gigantische nackte Berge, aber trotzdem Palmen, Oleander und Hibiskus in sehr lebensfreundlichen Arealen, die künstlich bewässert werden. Eine üppige Flora als Reservat. Oasen des Lebens in einer rundherum schönen, bizarren, aber lebensfeindlichen Welt, in der sich Mensch und Tier trotzdem wohlfühlen. Kleine, zierlich elegante Vögelchen huschen von Zweig zu Zweig. Gar nicht ängstlich. Sie sind in der Minderheit und werden immer wieder verdrängt von den großen Vögeln. Schwarz sind sie, rundherum schwarz, wenn sie nicht fliegen. Wenn sie jedoch fliegen, werden die braunen Flügelbinden sichtbar. Braun wie ihr Lebensraum. Wie die steilen Felsen, an denen sie spielerisch hochfliegen, um dann pfeilschnell wieder hinabzustürzen. Genau wie an den Hotelhochbauten, wo sie oft die aus dem Fenster schauenden Gäste erschrecken. Ebenso erschrecken sie die Besucher der über zweitausend Jahre alten Festung, die nur mit dem Kabinenlift erreichbar ist. Ein herrliches Bild. Beneidenswert leicht fliegen die Vögel an dem Lift vorbei in steile, wirklich steile Höhe. Ich konnte mich des Gefühls nicht erwehren, dass sie über uns lachen, dass sie sich über uns lustig machen. Sie sind die wahren Beherrscher dieses Raumes. Wo wir ängstlich nach unten sehen, in der Hoffnung dass die Zugleinen des Kabinenliftes der enormen Belastung standhalten, fliegen sie, die Schwarzen mit den braunen Flügelbändern, steil hoch an uns vorbei, setzen sich kurz auf einen Felsvorsprung, wo einen das Schaudern ergreifen würde, müsste man von so einer kleinen Fläche aus so riesiger Höhe herabsehen! Und dann geht es talwärts. Sie stürzen sich hinunter, so, als würden wir auf befestigten Straßen fahren. Wir erdgebundenen Menschen, auch wenn wir mit Hilfe einer hohen, modernen Technik durch die Lüfte von Kontinent zu Kontinent jetten, - die Flugtechnik unserer gefiederten Freunde werden wir wohl nie erreichen. Sie sind und werden es wohl auch bleiben: Die Beherrscher, die Könige der Lüfte.
Ich sitze in einer herrlichen Umgebung zwischen bunten Blumen und Palmen in der Sonne. Verschleierte Frauen gehen an mir vorüber. Männer mit turbanbewehrten Häuptern blicken mich mit ihren schwarzen Augen neugierig an. Sie sehen meine Freude und mein Interesse an der Umwelt, an ihrem Paradies, und sie freuen sich mit mir. Wie der Flug der Vögel, so habe auch ich meine Gedanken fliegen lassen, - und begonnen hat es mit der wehmütigen Stimmung, als ich an das Wetter zu Hause dachte und ich ein etwas schlechtes Gewissen bekam, dass der Vogelvater, dem das Wohlergehen seiner Schützlinge anvertraut ist, sich in sonnigen Gefilden tummelt. Meine Vögel wären sicher auch gerne hier. Aber auch ich muss zurück. Und ich beneide meine hiesigen schwarzen Flugkünstler, deren Namen ich noch nicht einmal kenne, dass sie hier bleiben können, in der Sonne, in einer grandiosen Umwelt, die noch heil ist.
Alles Gute, ihr Schwarzen! Je weniger wir Menschen uns hier breit machen, umso sicherer bleibt euer Lebensraum.
Winfried H. Aderhold
Der alte Dompfaff..... eine Vogelgeschichte der besonderen Art
Trotzdem, dachte der alte Dompfaff der gerade vorbei flog, - trotzdem ist mir das grüne Kleid der Bäume am liebsten. Nicht nur weil es schöner ist, nein, es bringt mir auch einen Teil meiner Nahrung die ich brauche. Er, der Dompfaff, war im Herbst nicht nach Süden geflogen. Warum, das wusste er selbst nicht so genau. Vermutlich hatte er nicht mehr den Erlebnishunger der Jüngeren, - jedenfalls war er hier im hessischen Mischwald geblieben. Im Jahr zuvor war er auch nicht auf die Reise nach Süden gegangen und hatte trotz Kälte, Schnee und oftmals knurrendem Magen überlebt. Sein im Sommer rotes Gewand hatte jetzt etwas an Leuchtkraft verloren, aber das störte ihn nicht. Nur etwas Essbares brauchte er unbedingt. Doch in dieser Jahreszeit fand er kein Körnchen Futter, keine Knospe die er knappern konnte, keine Made kam aus ihrem Versteck, keine Fliege surrte um ihn herum. Er konnte seine Sehnsucht nach der warmen Jahreszeit, wo alles im Überfluss vorhanden war, nicht verbergen und stieß einen tiefen Seufzer aus, der aus seinem Vogelmund als lang gezogener Pfeifton durch den großen Wald hallte. Vom anderen Ende des Waldes kam plötzlich eine Antwort. Er hatte gar nicht gesehen, dass dort neben Meisen, Buchfinken und Amseln auch noch mehrere Dompfaffen und Dompfäffinnen waren. Die hatten ebenfalls Hunger und froren. Sie kamen zu ihm geflogen, was ihm gar nicht so recht war, - denn er liebte es allein im großen Wald zu sein. Doch es ließ sich nicht vermeiden, dass die anderen Vögel sich um ihn scharten. Er hatte sich mit seinem unüberlegten, aber von Herzen kommenden Seufzer verraten. Er blickte in die Runde und musste feststellen, dass die Kollegenschar gar nicht so unangenehm war wie er anfangs gedacht hatte. Nun saßen sie frierend beieinander und hatten großen Hunger. Plötzlich tauchte aus der gleißenden Helle des verschneiten, sonnendurchfluteten Waldes eine Dompfäffin auf. Erst konnte er sie, geblendet von der Helligkeit des Gegenlichtes, gar nicht so richtig erkennen. Dann aber, als er genauer hinsehen konnte, war er sprachlos. Diese Dompfäffin war nicht nur jung, sondern auch bildhübsch. Er konnte es nicht fassen, als diese wunderschöne Dame sich auch noch vertraulich neben ihn auf seinen Zweig, also in seine unmittelbare Nähe setzte. Sein Herz schlug höher. So etwas schönes hatte er noch nicht gesehen. Er traute seinen Augen nicht und legte den Kopf auf die Seite, damit er sie noch genauer betrachten konnte. Ja es stimmte, - sie war bildschön. Und schon fing sie ganz unbefangen an zu erzählen. Sie habe auch keine große Lust verspürt mit den anderen Kollegen die lange Reise nach Süden anzutreten. Um ehrlich zu sein, sagte sie, ein bisschen Angst habe auch mitgespielt, denn man höre ja so schreckliche Geschichten von den zurückgekehrten Kollegen. Die erzählten von dem Verlust lieber Verwandten und Freunden, die von bösen Menschen südlich der Alpen erschossen, oder in Fallen und Netzen gefangen und getötet wurden. Das sei also auch ein Grund gewesen, hier, im hessischen Bergland, zu überwintern. Sie sah ihm nun direkt in die schwarzen Augen und ihm wurde ganz schummerig dabei. Doch sie war so ungezwungen in ihrer Art und sagte, sie müsse ihm offen gestehen, dass sie ihn sehr sympathisch fände. Dies schlug nun doch dem Fass den Boden aus. Wenn sein Kopf nicht so schwarz gewesen wäre, hätte man sehen können, dass er vor Freude, aber auch vor einer gewissen Verlegenheit, rot geworden wäre. Der alte Dompfaff war bis über beide Ohren verliebt, - und das mitten im Winter, obwohl doch erst im Frühling solche Gefühle gestattet waren. Er kannte sich selbst nicht mehr. Nun rückte sie noch ein wenig näher an ihn heran und er wurde ganz unruhig. Donnerwetter sagte er bei sich, ich bin ja nicht mehr in den besten Jahren und doch, so scheint es wenigstens, habe ich noch Chancen bei jungen Damen. Er warf sich im plötzlich gewonnenen Selbstvertrauen stolz in die Brust. Da sagte sie plötzlich und ganz unmotiviert, dass sie einen wohlgedeckten Futterplatz wisse, und da er, der Dompfaffhahn, ihr so sympathisch sei, wolle sie ihn dahinführen, die anderen sollten aber davon nichts wissen. Unser Dompfaff war sprachlos, was bei ihm ganz selten vorkam. Er drehte wieder seinen schwarzen Kopf mit den noch schwärzeren Knopfaugen um zu sehen, ob sie das auch wirklich ernst meinte. Aber sie startete schon und so flog auch er vom gemeinsamen Ast aus hinter ihr her. Tatsächlich gab es herrliche wohlschmeckende Delikatessen, - mitten im kalten Winter. Ein Futterhäuschen war von lieben Menschen aufgebaut worden die ein Herz für die frierende und hungernde Vogelwelt hatten. Es waren bereits mehrere Vögel hier. Man tat sich gütlich und speiste. Unser Dompfaff natürlich ganz dicht an ihrer Seite. Die schönsten Happen legte er ihr direkt vor ihren Schnabel. Er schälte einen Sonnenblumenkern und gab ihn ihr. Sie lächelte ihn an und ihm wurde ganz warm dabei ums Herz. Er konnte nicht genug von ihrer Gegenwart haben. So saßen sie eine ganze Zeit gemeinsam an diesem reich gedeckten Tisch und er, unser alter Dompfaff, sah nur sie, die wunderhübsche junge Dompfäffin und vergaß dabei die Welt um sich herum. Was bin ich froh dass ich nicht in den Süden geflogen bin, dachte er bei sich, denn sonst hätte ich ja „Sie“ nicht getroffen. Doch das Schicksal hatte es anders bestimmt. Ganz plötzlich, wie aus dem Nichts, kam ein junger, agiler und gut aussehender Dompfaff zum Futterhaus geflogen und setzte sich provozierend nahe an die junge Dompfäffin. Unserem „Alten“ verschlug es vor Wut die Sprache. So eine Unverfrorenheit. Der „Neue“ rückte ganz nahe an die Dompfäffin heran und die Wut und Enttäuschung in unserem alten Herrn stieg bis ins Unermessliche als er sah, dass dies seiner Herzdame offensichtlich auch noch gut gefiel. Sie ließ diesen frechen jungen Kerl auf Tuchfühlung an sich heran. Ihm, unserem Alten, wurde ganz flau im Magen. Nein, dachte er, - so schnell lasse ich mir die Dame meines Herzens nicht ausspannen. Dachte es und flog auch schon auf den Eindringling los. Die junge Dame sah interessiert aber ganz cool zu und wartete das Ende des Kampfes ab. Es gab ein böses Gerangel, dass die Federn flogen. Durch die Zweige der Bäume ging die wilde Jagd, - aber schließlich ging „unserem“ Dompfaff doch die Puste aus. Ganz erschöpft landete er gerade noch auf dem kleinen Zweig einer Buche. Tief holte er Atem. Er verstand ganz plötzlich, dass er nicht mehr der Jüngste war. Und er kapitulierte vor dem Jüngeren. Tief traurig sah er zu, wie sich „seine“ Herzensdame nun ganz dicht an seinen jungen Rivalen schmiegte. Es brach ihm fast das Herz, aber er verstand auf einmal die Gesetze der Natur. Er realisierte, dass er in seinem Alter out war. So unglücklich er darüber war, so dankbar war er aber auch für diese für ihn neue Erkenntnis, mit der er leben musste. Traurig ob des Verlustes, auf der anderen Seite aber auch glücklich über diese neue Erkenntnis, flog unser lieber, alter Dompfaff auf seinen Schlafplatz. Er war wieder einmal allein. Seinen schwarzen Kopf steckte er unter das Gefieder. Er hatte ein beglückendes Erlebnis gehabt, welches leider in einem seelischen Fiasko für ihn endete. Als er aber gewissenhaft Bilanz zog, da musste er sich gestehen, dass dieses Fiasko für ihn die positive Grundlage für sein weiteres Leben sein würde. Trotzdem schlief er sehr unruhig. Trotzdem träumte er die ganze Nacht noch von der wunderhübschen Dompfäffin, die sein Seelenleben so in Unordnung gebracht hatte. Unser Dompfaff war aber nicht so unglücklich wie es scheinen mag. Ihm wurde zwar klar, dass er „out“ war, auf der anderen Seite wurde ihm aber auch bewusst, dass das kurze Geschenk des Kennenlernens ihm auch gezeigt hatte, dass sein Herz noch fähig war zu uneigennützigen Gefühlen anderen gegenüber. Das wiederum tröstete ihn dann doch sehr. Am nächsten Morgen, als er erwachte, schien die Sonne und der Schnee auf den Zweigen funkelte und glitzerte als würde er brennen, wie gestern, bevor er die schöne Dompfäffin kennen lernte. Nur heute hatte er das Gefühl, dass er dies alles, seine gesamte Umwelt mit allen Mitbewohnern des Waldes, mit anderen Augen ansah. Irgendwie war er glücklicher als zuvor, weil er dankbar für die neue Erkenntnis war. Und er verstand, dass das Alter, sofern man es akzeptierte, sehr schön sein kann. Das man sich auch über eine wunderschöne Dompfäffin von Herzen freuen kann, ohne sie zu besitzen. Mit dieser Erkenntnis flog er dann mutig, denn ganz wohl war ihm dabei natürlich nicht, zu der großzügigen Futterstelle. Und siehe, dort saß seine verehrte Dame mit ihrem neuen Liebhaber. Doch, und das war das große Geschenk seiner Niederlage, er grüßte freundlich die Beiden, zwar mit Wehmut im Herzen, aber frei von jedem bösen Gedanken. In seinem Innersten ganz beglückt über seine neue Erfahrung, flog er wieder in den hessischen Wäldern umher. Aber er sah die Welt nun anders. Er konnte sich von Herzen an all den schönen Dingen freuen die ihm die Natur bot, - einschließlich schöner Dompfäffinnen! Er flog in den höchsten Gipfel einer alten, verknorpelten Buche die am Waldesrand stand und von der er den besten Überblick über sein altes, ihm vertrautes Revier hatte. Er legte sein Köpfchen auf die Seite, freute sich über die herrliche Natur in welcher er sein Leben leben durfte. Und aus tiefstem Herzen kam aus seiner Brust ein Lied, so schön, wie es normalerweise nur im Sommer erklingt. Unser alter Dompfaff hatte sein Gleichgewicht, seine seelische Ruhe wiedergefunden, nach einer kurzen, schönen Zeit der Illusion.
Winfried H. Aderhold
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